REVOLVERHELD

REVOLVERHELD

Wo: Rathausplatz Gmunden
Wann: 1. Juni 2018
Einlass: 18:00 Uhr
Beginn: 20:15 Uhr

Revolverheld
„MTV Unplugged in drei Akten“

„Unser Ziel war, die Leute echt zu überraschen. Es war für uns die Erfüllung eines Jugendtraums, und daher sollten diese Abende selbst im Kontext 'Unplugged' anders und besonders sein – etwas, das man in dieser Reihe so noch nicht gehört und gesehen hat.“ Zitat Johannes Strate
Was haben sie nicht alles erreicht, gerade in den letzten zwei Jahren. „Best German Act“ bei den MTV Europe Music Awards, Gewinner des Stefan Raabschen Bundesvision Songcontest mit dem legendären Rekord-Ergebnis von 180 Punkten, und auch endlich als „beste Gruppe national Rock/Pop“ mit einem Echo ausgezeichnet. Mit „Das kann uns keiner nehmen“, „Ich lass für dich das Licht an“ und „Lass uns gehen“ gleich drei Top 10-Singles allein vom letzten Studioalbum „Immer in Bewegung“. Auch dieses Album stieg – wie seine drei Vorgänger – in die deutschen Top 10 ein, es steht mittlerweile fast bei Doppelplatin und schraubte die Gesamtverkäufe der Revolverhelden in die heutzutage fast astronomische Dimension von mehr als 1,5 Millionen verkaufter Tonträger. Obendrein zählen sie schon seit langem zu den besten, meistgelobten und erfolgreichsten Livebands des Landes, mit Shows, die alte und neue Fans gleichermaßen begeistern und als besondere und emotionale Abende in Erinnerung bleiben. Was für eine Karriere, was für ein Weg. Klar fragt man sich da: Und nun? Was ist der nächste Schritt? Wo findet man die schönste und zugleich größte Herausforderung?
Für eine Band, die zwar gefühlvoll, aber eben doch auch meist elektrisch verstärkt zugange ist, liegt es nahe: ein „Unplugged“-Abend wäre etwas Großartiges. Gerade nicht nur als Herausforderung, als die Möglichkeit, auf ihre mitreißenden Liveshows noch eins draufzusetzen – sondern, wie Johannes Strate beschreibt, als „die späte Erfüllung meines ultimativen Kindheitstraums. Ich bin in den 90ern mit den 'Unpluggeds' von Sting, Pearl Jam, Nirvana, Alice In Chains oder Eric Clapton groß geworden und habe mir danach auch immer selber die Akustikgitarre gegriffen und gedacht: Ich will auch Musik machen und eine Band haben. Damals war ich vielleicht zwölf Jahre alt und hätte mir nie träumen lassen, dass ich irgendwann selbst ein 'MTV Unplugged' machen darf. Entsprechend haben wir natürlich keine Sekunde gezögert, als die Anfrage von MTV kam.“
Was aber auch klar war: Revolverheld wollten dem Unplugged-Kanon etwas Neues hinzufügen, um ihrem Selbstverständnis und auch den Erwartungen der vielen Fans gerecht zu werden. Gitarrist Kristoffer Hünecke: „Es gab natürlich schon etliche Varianten dieses Unplugged-Entwurfs. Die einen sind unglaublich virtuos wie Eric Clapton, bei dem auf neue Song-Versionen sehr gekonnt gejammt wird. Dann gab es so Jungs wie Pearl Jam, die einfach mit voller Energie so getan haben, als hätten sie E-Gitarren in der Hand. Wir haben uns hingegen gedacht, dass wir etwas anders machen möchten, indem wir das komplette Set noch mal neu arrangieren und aus jedem Song eine ganz andere und spannende Version machen.“ Doch da ist mehr.
Wer an den Aufzeichnungs-Abenden zu Gast war, wurde erst mal verwirrt, sobald er die Friedrich-Ebert-Halle im südhamburgischen Stadtteil Harburg betrat: Klar, da standen Instrumente auf der Bühne. Aber auch: eine komplette Bar, eine liebevolles Dekor, das eher an eine Spelunke an der Hafenkante erinnert als an ein großes konzertantes Ereignis. Die Originalkulisse der „Egalbar“, einer ehemaligen Bar im Hamburger Karolinenviertel, die in ihren 18 Jahren Bestand bis zu ihrem Abriss 2012 im Zuge der „städtischen Nachverdichtung“ zu den kunstaffinsten öffentlichen Räumen Hamburgs zählte und die in dem Kunstprojekt Project.Egalbar weiterlebt, bildet die perfekte inhaltliche und optische Kulisse zu dem, was jetzt folgte. (nähere Infos unter www.project.egalbar.de).
Dann gehen die Lichter aus, man sieht nur eine Person, die man zwar kennt – viele möglicherweise aus seiner Rolle als Ulf Steinke in „Stromberg“ – die aber erst mal überhaupt nichts mit Revolverheld zu tun hat. Diese Person beginnt zu erzählen, über Kultur in der Gegenwart, über die Rezeption derselben in den Medien. Er schließt seine „Bar“ auf, poliert Gläser, und man fragt sich kurz, ob man sich im Saal geirrt hat. Doch nein, was der Bartender da erzählt, ergibt – wenn man sich einmal mit den Texten der vier Jungs aus dem Norden auseinander gesetzt hat – auf eine interessante Weise Sinn. Es sind ähnliche Themen, vertraute Sichtweisen auf die Menschen und ihr Miteinander. Und es ist ja auch ein vertrautes Szenario, man denke nur an den Hit „Bands deiner Jugend“ und Textzeilen wie: „Wir fühlen uns wie 20, aber nur heute Nacht. Und diese neue Stadt sieht irgendwie nett aus. Haben wir damals über Typen so wie uns nicht gelacht? Ach was soll's, ich geb' dir den nächsten Drink aus.“ Ja, auch wenn es zunächst ungewöhnlich scheint, was da passiert: Man fühlt sich zu Hause.
Und auf einmal tauchen sie dann eben auch auf, die Protagonisten, wegen derer man hier ist: Revolverheld. Und sie fangen an zu spielen, wie man sie noch nie gehört hat. Performen einige Songs in „kleiner Besetzung“, eben: unplugged. Nach einer Umbaupause auf das zweite, liebevoll designte Set – einer nächtlichen Dachkulisse einer Großstadt – wird es noch interessanter, breiter und größer. Nach weiteren sechs originell arrangierten und interpretierten Songs wird ein weiteres mal umgebaut. Dann sieht man auf einmal die ganz große Orchesterbesetzung auf der Bühne in einer maritimen Strandkulisse, und es gehen Lichter, Herzen und Ohren auf.
„Wir wollten über den Abend eine Geschichte erzählen“, erklärt Gitarrist Niels Grötsch. „Wir hatten diese dramaturgische Idee, von Klein nach Groß zu gehen. Erst zu sechst in der Kneipe an der Ecke, dann im zweiten Akt mit mittelgroßer Besetzung auf dem Dach, bis zum dritten Teil in einem weiten, atmenden Surrounding mit der ganz großen Besetzung mit Streichern und Bläsern, wie man sie von den klassischen Unplugged's kennt.“ Für die Akte zwei und drei holte sich die Band ganz bewusst Hilfe, die von außen kommt und die Revolverheld-Musik mit frischen Augen und Ohren bewertet. So entstand der zweite Akt mit ihrem Freund Jonas David, einem Singer- /Songwriter, den Johannes bereits von seinen „Feels Like Home“-Akustiktourneen kannte. „Es war gut, in ihm jemanden zu haben, der einen ganz anderen Blick auf die Sache hat, der uns noch mal ganz neu interpretiert, weil wir in vielen Songs einfach schon viel zu tief drin sind.“ Und so schlug David in herrlicher Unbekümmertheit Song-Versionen vor, bei denen letztlich sogar eine Pizzaschachtel zum Percussion-Instrument werden kann. Der dritte Akt entstand unter der Mithilfe von Lillo Scrimali, einem der Akustik-Arrangeure in Deutschland, der auch schon bei den Unpluggeds der Fantastischen Vier oder Max Herre eine bedeutende Rolle spielte. „Gerade im Arrangieren von Bläsern und Streichern ist er unschlagbar“, sagt Johannes.
Für die Band selbst gab es neben dem über drei Monate minutiös erarbeiteten Programm, bei dem kein Song blieb wie er bislang war, noch eine weitere Ebene an dieser Arbeit. Denn streng genommen ist dieses „MTV Unplugged“ nun auch ihre erste Best Of-Platte. „Plattenfirmen veröffentlichen gern Best Ofs von erfolgreichen Bands“, sagt Schlagzeuger Jakob Sinn, der, wie seine Mitstreiter, aber nicht gern den einfachsten Weg geht. Denn: „Für Musiker ist das immer ziemlich uncool und nicht gerade spannend, weil sie natürlich Lust haben, etwas Neues zu kreieren und sich weiter zu entwickeln.“ Und Johannes ergänzt: „Natürlich wollten wir ohnehin aus jedem Album Songs dabei haben. Für uns selber war es darüber hinaus wirklich spannend, gerade die Songs der frühen Alben nach so vielen Jahren noch mal in einem ganz neuen, moderneren Gewand zu arrangieren. Es ist für uns eine schöne Gelegenheit, neben der Selbstentdeckung der eigenen musikalischen Vergangenheit mit diesen Abenden eine Art 'akustisches Best Of' zu schaffen, das letztlich eben auch mehr ist, als nur die alten Hits noch mal auf ein Album zu packen.“
In der wunderbaren Tradition von „MTV Unplugged“ – und auch, um den Songs und dem Abend noch eine weitere Ebene zu geben – lud sich die Band noch allerlei Gäste ein. Allen voran Schauspieler Oliver Wnuk, der Kneipenwirt vom Anfang, der wie ein etwas schrulliger Conferencier durch das Programm führt. Oliver ist ein guter Freund von Johannes, und „es lag für uns absolut auf der Hand, ihn zu fragen. Wir wollten jemanden haben, der charmant durch den Abend führt, mit einer gewissen gedanklichen Tiefe, aber auch mit Humor und Leichtigkeit. Und für so etwas ist er einfach die richtige Adresse, weil er ein sehr feingeistiger und fein spielender Schauspieler ist, der dabei aber immer noch ein kleines Augenzwinkern zeigt.“
Hinzu kam eine illustre Runde an befreundeten Kollegen, die den Abend bereichern: Annett Louisan, Rea Garvey, Heinz Strunk, Das Bo, Marta Jandova, Mark Forster, Johannes Oerding und Michel van Dyke. Ein Querschnitt durch die deutsche Popkultur, wenn man so will, von Subkultur-Legenden über Rap-Größen bis zu Popstars, die sich alle in den Dienst dieser schönen Sache stellten – und, wie etwa im Falle von Rea Garvey, sich eigens hinsetzten, um dem Song „Das kann uns keiner nehmen“ eine neue, eigene Strophe zu schenken. „Ich konnte mir ihn in unserer kleinen 'Kneipe an der Ecke' mit seinen irischen Wurzeln unheimlich gut vorstellen. Und nun haben wir eine Premiere: Rea Garvey, der erstmals auf Deutsch singt!“, lacht Niels.
Das dürfte, meint Johannes, wohl für viele eine ähnliche Überraschung sein wie „Revolverheld featuring Heinz Strunk. Damit haben wir das Publikum sicher am meisten verblüfft. Ich kenne Heinz schon lange, wir haben uns mal bei '3 nach 9' kennen gelernt. Was viele Leute aber nicht wussten, ist, dass er unglaublich gut Querflöte spielt. Und wie bei allen Songs überlegten wir auch bei 'Immer in Bewegung', wie man ihn noch spezieller machen könnte. Durch Jonas David kamen wir dann auf eine Querflöte, und der Schritt, Heinzer zu fragen, ob er bei uns spielt, war dann nicht mehr weit.“
„Was uns wirklich gefreut hat, war diese wunderbare Stimmung hinter der Bühne“, ergänzt Jakob noch. „Die Band, die Gäste, alle weiteren Musiker – alle waren so selig und gut drauf. Wir haben hinterher mehrfach gehört, dass es für alle wirklich ganz besondere Abende waren, etwas, an das man sich immer erinnern wird, schon weil sich da einige neue freundschaftliche Verbindungen ergeben haben, die wir selber nicht erwartet hätten.“ Was mehr kann man sich von einem Unplugged-Konzert wünschen? Nun liegt das Ergebnis dieser außergewöhnlichen Abende vor – für Fans und solche, die es werden wollen oder bislang aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen noch nicht mitbekommen haben, welch große, immer nach dem Neuen suchende und anspruchsvolle Künstler in Revolverheld stecken.