Hubert von Goisern

Hubert von Goisern

Außenseiter mit Heimvorteil. Hubert von Goisern dreimal zu Gast am Gmundner Rathausplatz

Volksfeststimmung am Gmundner Rathausplatz – und das gleich drei Abende lang: Hubert von Goisern gab am verlängerten Pfingstwochenende mit medialer Unterstützung der OÖ Nachrichten drei Open Air Konzerte am Traunseeufer und jedes einzelne war seit Wochen ausverkauft. Hubert, momentan der erfolgreichste Musikexport aus dem Salzkammergut, feierte ein umjubeltes Heimspiel.

Wobei: Gibt es für leidenschaftliche Außenseiter überhaupt einen Heimvorteil? Wir dürfen daran erinnern, dass Hubert Achleitner mit 19 Jahren wegen zunehmender Resitenz aus der Goiserer Blasmusikkapelle geworfen wurde. Danach wandte er seiner Heimat (auch musikalisch) den Rücken zu. Erst nach langen Jahren in Südafrika, Kanada und Wien fand er zu seinen Wurzeln zurück.

Als er im reifen Alter ausgerechnet mit „Hiatamadl“ berühmt und dem breiten Publikum sympathisch wurde, darf als Ironie des Schicksals verstanden werden. Als „Zipfl eini Zipfl außi Musi“ bezeichnete Rainhard Fendrich das Lied damals. Der Wiener unterschätzte sowohl die Nummer als auch den Interpreten maßlos.

In der Zwischenzeit hat sich Hubert mit seiner Heimat versöhnt. Und auch mit der diatonischen Knopfharmonika. Schließlich gründet der Erfolg des Goiserers darauf, dass er authentische Musik vertritt und trotzdem über den Tellerrand blickt. Halb Gmunden kam in Lederhose und Dirndl zu den Konzerten und verlangte skandierend nach dem „Hiatamadl“. Erst am zweiten Abend lies er sich erweichen.

Die Stimme der Peripherie

Den die Wahlheimat ist der 60- jährige ein musikalischer Weltbürger, der von Indianern ebenso singt wie vom entzügelten Kapitalismus. Die Perspektive ist dabei stets die gleiche: Hubert singt vom Rand aus, er ist die Stimme der Pheripherie. Ob es sich dabei um den geographischen Rand handelt oder um den sozialen, ist einerlei. Hauptsache, es wird gegen den Strich gebürstet und auf die Wahrheit hinter der Fassade verwiesen. Auf die Art enstand mit „brenna tuats guad“ die Puiblikumshymne der Wirtschaftskrise. Und der programmierte Höhepunkte der drei Konzerte in Gmunden.

Zuvor trieben Hubert und seine Begleitband die Stimmung mächlich, aber zielstrebig in die Höhe. Musikalisch forderten sie die jeweils 3000 Fans möglichst wenig. Fette Gitarrensoli, urige Landlerklänge und launige Monologe des Goiserers gefielen Jung und Alt. Zu perfekt exekutierter Musik feierten die Leute, schwenkten Bierbecher und filmten mit ihren iphones mit. Hubert drückt uns schmerzliche Wahrheiten verführerisch gefällig hinein. Die Ehrlichkeit lässt er sich aber dabei nicht nehmen.

Bericht: Edmund Brandner OÖ- Nachrichten