Xavier Naidoo

Naidoo

Keiner hätte Xavier Naidoo am Mittwoch im Ansfeldner Kremspark den Teppich besser ausgerollt als Eric Papilaya. Der 36-Jährige aus Laakirchen, der 2007 beim Song Contest mit "Get A Life – Get alive" den Einzug zum finalen Wettsingen verpasst hatte, ist einer der sympathischsten Stimmungsanwärmer, die die heimische Konzertlandschaft je erlebt hat. Unermüdlich schwor er die 7000 Menschen zwischen seinen eigenen Nummern auf den Übervater des deutschen Soulpop ein – und als er seine neue Single "Neuer Tag" vortragen wollte, hat ihm ein Wolkenbruch die Gitarre zerstört.

Um 20.26 Uhr hat sich das Unwetter verzogen, und die Sonne bemüht sich, besonders kitschig unterzugehen. Dann steht er da, überblickt in kurzen Hosen und durch seine Sonnenbrille den Himmel, am Horizont raucht die Nettingsdorfer Papierfabrik gewaltig. "Ich dachte schon, alles wird abgesagt", sagt Naidoo und hebt zu "Bei meiner Seele" vom gleichnamigen Album an. Diese erste Nummer ist der Türöffner zu den Seelen der Besucher, die an diesem Abend alle ineinander verliebt zu sein scheinen. Mit seiner schaurig schönen Stimme – mit der er auch Betriebsanleitungen für Waschmaschinen vorsingen könnte, und sie würden ihn trotzdem anbeten – hat er den uramerikanischen Soul für tiefkehlige schwarze Diven ins Deutsche transponiert. Paare umarmen sich, Handy-Displays leuchten, jeder spürt den Mann aus der Mannheimer Vorstadt anders, aber jeder spürt ihn.

Der Mann weiß, wo er ist

"Geht’s euch gut?", das fragt der 42-Jährige an diesem Abend noch einige Male. Er weiß, wo er ist – das ist für Stars keine Selbstverständlichkeit –, weil er die zahlreichen Ansfeldner lobt und die um die Nachtruhe gebrachten Anrainer um Entschuldigung bittet. "Sind Linzer auch da?", will er wissen und wieder brandet Jubel auf, diesmal von den Linzern. "Ah, die Großstädter, habt ihr euch mal rausgewagt aufs Land?" Jetzt jubeln Linzer und Ansfeldner miteinander.

Zu "Bevor du gehst" wird getanzt, zu "20.000 Meilen" wieder geschmust – und so fort. Keiner will hier wissen, ob Naidoos Metaphern einer Überprüfung standhalten. Was er so locker singt, wirkt wie im Moment durchlitten, und bei "Was wir alleine nicht schaffen" schwappt auch das für Naidoo typische Pathos über.

Irgendwann greift er zu einem Mikrofon mit Auto-Tune-Effekt, das seine Stimme metallisch klingen lässt wie die späte Cher bei "Believe". "Zeilen aus Gold" lässt er in diesem, wie er sagt, "Discosound" hören, "weil es heißt, dass Oberösterreicher so gerne tanzen." Was macht der Mann bloß mit seiner Stimme? Die Verhunzung hat ein jähes Ende, die Tonanlage krächzt, zuvor ist sie für Sekunden ausgefallen – ja, der Regen. Niemand ist Naidoo böse, auch nicht, als er daran erinnert, dass "eure Nachbarn da drüben Weltmeister geworden sind" – und er seinen WM-Hit "Dieser Weg" von 2006 in die Nacht donnert. "So sieht’s aus!" und "Ach, voll schön!", als alle mitsingen.

Ignoriert man seine Texte über Gottes Heerscharen und die spirituelle Kraft des Autofahrens, ist Xavier Naidoo einer der raren deutschsprachigen Stars, die internationalen Standards genügen – und auch im Kremspark hinterlässt er durchwegs Glückseligkeit

Bericht: OÖN