Otto Waalkes &
Die Frießenjungs

Otto Waalkes

Ein Platz im Comedy-Pantheon

Drei Open-Air-Konzerte standen von Freitag bis Sonntag am Programm des Festivals „Gmunden rockt“ am Rathausplatz: Otto, M. P. Kelly und Sido. Den fulminanten Start legte Otto hin: Mit seinem legendären „Holloderi- di“-Ruf erscheint er auf der Bühne. Gmunden spielt sein Wechselspiel von Anfang an perfekt mit. „Müsst ihr immer das letzte Wort haben?“

Zwei Stunden rockt der deutsche Evergreen-Spaßmacher Otto Waalkes (Jg. 1948) die Traunsee-Stadt. Ein paar Witze über den österreichischen Dialekt und die ehrliche Bitte „Ich brauch eure Mitarbeit“, schon brüllt das Publikum solo Ambros' „Schifoan“. Otto übersetzt synchron ins Amtshochdeutsche. Als Dirigent führt er rund 2500 Besucher oft mit kleinsten Bewegungen wie ein Orchester. Präzise intonieren die Fans, virtuos setzt der mit allen komödiantischen Wassern Gewaschene Text- und Gesangssoli. Begeisterung im Publikum über die eigene Performance.

Hinter Ottos eingestandener Infantilität — Ottifantität — stecken nicht nur sein typisches Hopsen und Blödeln, sondern auch die Qualitäten großer Komiker. Als Sologitarrist brilliert er mit „We Are The Champions“. Die Friesenjungs, seine fünfköpfige Weltklasseband, gibt sich eine Orgie auf dem „Highway to Hell“. Dauerbrenner wie „Hänsel und Gretel“ oder „7 Zwerge“ transportieren die Coverversionen deutscher Hadern samt Schmähs unter der Gürtellinie (Otto: „...und auch der Papst hebt seine Soutane“, Publikum ohrenbetäubend: „Aber bitte mit Sahne“). Fast unbemerkt dienen AC/DC, Stones und die größten Hits der 60er zur Demontage deutscher Grundwerte und Verhaltensmuster. Der Ewigjunge zeigt, wie man als Komiker über Jahrzehnte bestehen kann mit einem Werk, das von Beginn an darauf setzt, Kategorien wie Wichtigtuerei, Seriosität und Autorität im Blödsinn aufzulösen. Ein Platz im Komiker-Pantheon ist ihm dafür sicher.


Text: Neues Volksblatt